Donnerstag, 17. Mai 2007

MINX

Ich erinnere mich noch gut daran, dass mich meine Japanisch-Lehrerin in Deutschland gefragt hat, ob ich schon mal in Japan beim Friseur war und ich mit einem erstaunten "Warum ?" geantwortet habe. Nun, inzwischen war ich hier schon einige Male beim Friseur und es ist in der Tat ein Erlebnis. Nicht unbedingt der 1000 Yen-Friseur, den es hier auch gibt aber wenn bereit ist, etwas mehr anzulegen, ist es schon etwas anders als in Deutschland.
Mein Weg fuehrte mich nach Harajuku, dem Jugend-Viertel hier in Tokyo. Der Einheitsschnitt fuer japanische Geschaeftsleute sollte es nicht unbedingt sein und daher fiel die Entscheidung auf MINX, den In-Laden fuer Haarmoden hier. Nicht ganz billig aber ich dachte mir, sie koennten sich der Herausforderung stellen, einem Gaijin sein lockiges und widerborstiges Haupthaar zu baendigen.
Nun, ein wenig wie "was will der alte Sack denn hier ?" haben sie mich schon angeschaut aber sodann wurden mir aber auch schon zuvorkommend die Sachen abgenommen und ich nahm auf einem der Haarschneidesessel Platz. Wild gestikulierend versuchte ich meine Wuensche verstaendlich zu machen, denn der junge japanische Friseur verstand absolut kein Wort Englisch. Seinem nachdenklichen Gesicht nach zu urteilen, hatte er aber offensichtlich schon einen Plan.
Bevor die Scheren geschwungen wurden, wurde ich aber zunaechst zum Haarewaschen gebeten ... oder besser gesagt dem, was man hier unter "Haare waschen" versteht, denn DAS ist sicherlich das eigentliche Erlebnis bei einem Friseur in Japan. Fast 20 Minuten schamponieren in drei Gaengen, Gesichts- und Nackenmassage ... wow ... lohnt sich in der Tat schon allein dafuer zum Friseur zu gehen. Voellig entspannt habe ich mich danach in den Schneidesessel zurueckgelehnt und der Meister hat sein Werk begonnen. Nicht so wie in Italien, wo der Majestro wild um einen herumtanzt und virtuos die Klingen schwingt ... mehr verhaltener aber mit ernsthafter Akribie. Hier noch einen Millimeter und dort noch einen Millimeter und in aller Bescheidenheit wagt man schliesslich zu fragen, ob es denn so recht ist. Ja ... ist es ... und ab geht es wieder in den Schamponiersessel, die Haare werden nochmals gewaschen, mit was auch immer fuer einem Zeugs behandelt und evtl. Restschnipsel werden mit einem warmen feuchten Tuch feinsaeuberlich vom Gesicht entfernt. Perfektion fuer den verwoehnten japanischen Kunden ... und eine Ueberraschung fuer mich. Letzter Check des Meisters, noch etwas Wachs ins Haar und ab geht's zur Kasse. Trinkgeld ist natuerlich, wie ueberall in Japan, nicht ueblich und so fuehlt man sich fast ein wenig beschaemt, wenn man zur Tuer begleitet und mit einer tiefen Verbeugung verabschiedet wird. Perfekter Service ... den man fuer die fast 40 Euro fuer den Edelhaarschnitt vielleicht auch erwarten kann ... den man bei einem Friseur um die Ecke aber auch fuer die Haelfte bekommt. Jedenfalls ein Erlebnis und man ist versucht, sich den Luxus erneut zu goennen.

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